Jahreslosung 2018

Gedanken zur Jahreslosung 2018 aus Offenbarung 21,6

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (Offenbarung 21,6)

Eine Besinnung von Pastor Frank Wegen.

Religiöse Vielfalt – verschiedene Kulturen – kriegerische Auseinandersetzungen – widerstreitende Handelsinteressen – staatlicher Druck – moralischer Verfall:

Diese Schlagwörter beschreiben sehr treffend – das Leben im ersten Jahrhundert nach Christus! Wir bilden uns ja manchmal ein, dass es vieles von dem, was wir heute erleben, noch nie gegeben hat. Irrtum! Im ersten Jahrhundert nach Christus haben die Menschen im Mittelmeerraum eine Menge Dinge erlebt, die unserem Leben heute sehr ähneln. Natürlich in einem ganz anderen Rahmen, aber unter Umständen mit einem ganz ähnlichen Lebensgefühl. Und mittendrin – die christliche Gemeinde, die sich mit alldem auseinander setzen musste und die gegen Ende des ersten Jahrhunderts erheblich unter Druck stand. ´Mein Herr und mein Gott`, diesen Titel beanspruchte der römische Kaiser für sich. Wer sich dem wie die Christen verweigerte, war damit automatisch ein Feind des Staates und bekam entsprechende Reaktionen des Staates zu spüren, in den verschiedenen Teilen des Römischen Reiches in unterschiedlicher Intensität.

Das ist der Rahmen, in den das letzte Buch der Bibel hinein gehört, aus dem die Jahreslosung für das nun beginnende neue Jahr stammt. Ein Mensch mit Namen Johannes bekommt sozusagen ein Fenster geöffnet und Dinge zu sehen, die ihn und die Gläubigen und damit auch uns heute ermutigen sollen. Und da heißt es also:

Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Unser Bibelwort spricht von einem Grundbedürfnis des Menschen: Durst. Der eine oder andere kennt vermutlich die Maslowsche Bedürfnispyramide. Das ist ein Versuch, die verschiedenen Bedürfnisse des Menschen in einer Pyramide nach Prioritäten zu systematisieren. Ganz unten – sozusagen als Basis- und Grundbedürfnis – stehen die physiologischen Bedürfnisse, zu denen auch Hunger und Durst gehören. Wir wissen, dass ein gesunder Mensch ohne Flüssigkeitszufuhr maximal drei bis vier Tage überleben kann.

Von Durstigen ist die Rede in unserem Bibelwort. Durst – ein Grundbedürfnis des Menschen. Wird es nicht erfüllt, kann der Mensch nicht überleben.

Nun gibt es ja ganz verschiedene Möglichkeiten, diesem Bedürfnis zu begegnen - und nicht alle sind gleich gut. Ich kann zum Beispiel Salzwasser trinken. Das erhöht den Durst noch. Oder ich kann tagelang offen abgestandenes Wasser trinken, das voller Keime und Bakterien sein kann. Ich kann Cola trinken. Viel zu viel Zucker. Oder Hochprozentiges? Fatale Nebenwirkungen. Also: Es geht um ein sehr grundlegendes Bedürfnis, das erfüllt werden muss, aber viele Versuche, diesem Bedürfnis zu begegnen, gehen in die falsche Richtung. Machen noch mehr Durst. Haben fatale Nebenwirkungen. Machen gar krank.

Jetzt verrate ich kein Geheimnis, wenn ich sage, dass es in unserem Text nicht um ein physiologisches Bedürfnis geht. Hier geht es um Durst auf einer anderen Ebene. Durst nach Leben. Nach erfülltem Leben. Durst nach Anerkennung und Wertschätzung. Durst nach Sinn in den Dingen, die man tut. Durst nach Liebe. Durst nach Frieden und Heimat. Durst nach Geborgenheit. Durst in all seinen Facetten. Die entscheidende Frage ist: Was ist denn wirklich geeignet, diese Bedürfnisse zu stillen?

Menschen unternehmen ganz unterschiedliche Versuche, um diesen Durst zu stillen. Die einen streben danach, im Mittelpunkt zu stehen, um ihren Durst nach Ansehen und Anerkennung zu stillen. Andere versuchen, durch das Anhäufen materieller Güter ein Grundbedürfnis zu stillen. Wieder andere machen andere Menschen dafür verantwortlich, dass ihre Bedürfnisse gestillt werden. Noch andere sind ständig auf der Suche nach dem noch größeren Kick. Was ist wirklich geeignet, meinen Durst zu stillen? Viele Durstlöscher verursachen noch mehr Durst und machen auf Dauer krank. Vielleicht nicht unbedingt körperlich, aber doch an der Seele. Wo stillen wir unseren Durst?

Dahinein spricht Gott mit den Worten unserer neuen Jahreslosung.

Ich will dem Durstigen geben. Im griechischen Text ist dieses Ich deutlich hervorgehoben. Wir würden heute sagen: fettgedruckt und unterstrichen. Ich werde geben! Und der hier spricht, ist der, der auf dem Thron sitzt und gerade vorher gesagt hat: Siehe, ich mache alles neu. Ich bin das A und das O. Der hier spricht, ist der Ewige und Allmächtige, dessen Wort alles aus dem Nichts ins Dasein rief. Der den Menschen als sein Ebenbild geschaffen hat, sich selbst zum Gegenüber. Der die Zukunft in Händen hält. Der ist es, der hier spricht. Und der sagt: Ich! Ich will geben! Ich will geben dem Durstigen!

Jemand hat mal sehr schön gesagt: Gott ist kein Nimm-Gott, sondern ein Gebe-Gott. Er fordert nicht, er schenkt. Er nimmt nicht, er gibt. Ich will geben dem Durstigen! Und zwar: aus den Quellen des Lebenswassers. Es wird ganz klar herausgestellt: Es geht hier nicht um Salzwasser und nicht um Brackwasser, es geht um Lebenswasser direkt aus der Quelle des Lebens. Und das wissen wir: Nichts ist besser geeignet, Durst zu löschen, als frisches, sauberes Wasser. Ich will dem Durstigen geben aus der Quelle des Wassers des Lebens. Nichts, was nur vordergründig schmeckt, aber letztlich krank macht. Nichts, was brackig  und abgestanden ist und schon stinkt. Nichts, nach dessen Genuss man mehr Durst als vorher hat. Nein, Quellwasser. Dieses Wasser ist geeignet, allen Durst nach Leben grundlegend zu stillen.

Und zwar: umsonst! Das ist anders als am Flughafen, wo man mit dem Durst ein Geschäft macht. Erst darf man keine Wasserflasche durch die Sicherheitsschleuse mit hineinnehmen, und wenn man dann drinnen ist und eine kaufen will, kostet die so viel wie draußen bald ein ganzer Kasten. Nein: Was Gott gibt, gibt er umsonst. Er präsentiert uns keine Rechnung dafür. Nun kann es ja verschiedene Gründe haben, wenn etwas umsonst ist. 70% Preisnachlass – da werden wir schon skeptisch. Aber umsonst? Das kann ja nur Ramsch sein. Oder aber ganz anders: Umsonst gibt es, was man für Geld nicht kaufen kann. Was unbezahlbar ist. Gott gibt, was wir nie im Leben bezahlen könnten, und er gibt es umsonst. Nicht als Prämie für guten Glauben. Sondern als Geschenk seiner Gnade. Wir müssen und wir können es nicht bezahlen. Es ist umsonst. Ich will geben dem Durstigen von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Nun gibt es da noch ein paar kleine Klippen.

Klippe Nr.1 – der ganze Zusammenhang des Kapitels macht deutlich, dass dieses Angebot Gottes eine Verheißung für seine neue Welt ist: Siehe, ich mache alles neu. Eine neue Welt, in der es kein Leid und keine Schmerzen, keine Tränen und keinen Tod mehr gibt. Und Gott selber wird allen Durst aus der Quelle des Lebenswassers stillen. Alle Bedürfnisse werden erfüllt sein. Ist unsere Jahreslosung also ´nur` eine Vertröstung auf eine vielleicht noch ferne Zukunft? Nein! Das Wasser aus dieser Quelle gibt es heute schon. Jesus selber hat es den Menschen angeboten. Ich denke zum Beispiel an die Frau am Jakobsbrunnen, der Jesus lebendiges Wasser anbietet: Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird in Ewigkeit nicht dürsten. Oder die Situation am Laubhüttenfest: Wenn jemand dürste, komme er zu mir und trinke. In unserem Bibelwort geht es zwar strenggenommen um die Zukunft und die Perspektive, mit der wir leben dürfen. Aber das Angebot des Lebenswassers gilt schon heute.

Und damit hängt schon die Klippe Nr.2 zusammen – wie soll das denn konkret aussehen? Für mein Verständnis ist es das ganz enge Verbunden sein mit dem Herrn, das mich ausfüllt und meine Bedürfnisse in der Tiefe erfüllt, wie es irdische Dinge oder Menschen nie könnten. Und auch da ist das Bild des Durstes ein sehr schönes und passendes. So wie mein Körper eine kontinuierliche Flüssigkeitszufuhr benötigt, so brauche ich eine kontinuierlich gelebte und gepflegte Beziehung zu Gott, die Tiefgang hat. Da ist es nicht mit einem Schluck getan. Immer wieder werde ich aus dieser Quelle schöpfen. Und es werden im Laufe des Lebens hier und da auch neue Bedürfnisse aufbrechen. Gut, wenn ich weiß, wo ich meinen Durst löschen kann. Das Quellwasser sprudelt, ob ich daraus schöpfe oder nicht.

Und damit sind wir schon bei der dritten und letzten Klippe. Die Quelle sprudelt unaufhörlich. Aber trinken muss ich selber. Das kennt vermutlich jeder – du gehst durch die Fußgängerzone und jemand kommt auf dich zu und bietet dir irgendetwas an. Ich weiche da instinktiv aus. Alles Anbieten nützt nichts, wenn ich nicht zugreife. Gott bietet uns Lebenswasser aus seiner Quelle schon heute an, aber trinken muss ich selber.

Die neue Jahreslosung will uns durch das vor uns liegende Jahr begleiten.

Sie will uns ermutigen: Sie öffnet uns ein Fenster in Gottes neue Welt, der wir hoffnungsfroh entgegen gehen können.

Sie will uns hinterfragen: Womit versuchst du, deinen Durst zu stillen?

Sie will uns einladen: Still deinen Durst an der richtigen Stelle.

Sie will uns herausfordern: Du, der du diese Quelle kennst, behalte es nicht für dich, sondern mache auch andere darauf aufmerksam.

Es ist Gott selber, der spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Frank Wegen